„Wir haben an unsere
Chance geglaubt“
Saarlouis fügt Tabellenführer erste Niederlage zu – 29:34 (13:18) – Fiedler und Becker herausragend
Krefeld/Saarlouis. „Wir haben von der ersten Sekunde an an unsere Chance geglaubt!“, HGS-Kapitän Tom Paetow hatte diese Chance schon im Vorfeld beschworen und seine Mannschaft am Samstagabend tatsächlich zu einem überragenden 29:34 (13:18)-Auswärtssieg beim bisherigen Liga-Krösus HSG Krefeld Niederrhein in dessen eigener Halle geführt. Und das, allen Widrigkeiten zum Trotz.
„Jammern“ ist nicht das Ding von Jörg Lützelberger und der HG Saarlouis. Aber die Fakten und die Verletzungs-Seuche beuteln das Team aus dem Saarland derzeit schon mächtig. So musste das Team Anfang der Woche einen weiteren schmerzlichen Verlust hinnehmen: Sven Eberlein, eine der wichtigen Säulen im Spiel der HG, zog sich im Training einen Riss des Innen-Meniskus am rechten Knie zu und muss operiert werden. Die Verletzten-Liste verlängerte sich dadurch weiter, denn mit ihm fehlen aktuell noch Olle Österhall, Marko Jelicic, Lars Weissgerber und Hubert Kornecki.
In der Krefelder Glockenspitzhalle wurde aus „ohne Fünf“ nach 26 Minuten dann sogar „ohne Sechs“, weil die Unparteiischen Yves Kunkel nach einem Foul mit der roten Karte vom Feld schickte. Auch der Blitztransfer von Pawel Krawczyk aus Hamm, den HGS-Sportdirektor Markus Baur am Freitag realisierte, konnte am Samstag noch nicht greifen.
Auf der Platte merkte man von all dem an diesem Abend aber nicht wirklich etwas. Von der zweiten Minute an führte das Team von Jörg Lützelberger, dominierte die Gastgeber vor fast 1300 Zuschauern vom Anfang bis zum Ende. Dabei stachen einige aus der insgesamt tollen Mannschaftsleistung heraus: Michel Fiedler beispielsweise. Der HGS-Torwart wurde gegen Rose, Persson, Papina und Michalski zum „Riesen“, brachte die Adler-Angreifer mit insgesamt 20 Paraden (davon 3 Siebenmeter) schier zur Verzweiflung. Überragend war auch ein anderer: Marcel Becker. Die Linkshänder-Kanone der Saarländer traf, wie er wollte – insgesamt sage und schreibe 15 mal. Und Tom Paetow. Der Kapitän netzte 8 Bälle und führte insbesondere die Abteilung „Top-Talente“ mit Petschick, Kubera, Zwing und Geis. Eine wichtige Rolle hatte auch Wiederkehrer Laurin Karrenbauer (4 Tore) vorne wie hinten.

All das nötigte Jörg Lützelberger, der auch taktisch beispielsweise gegen die offenen Deckungsvarianten der Krefelder oder das Spiel mit dem siebten Mann, immer die richtige Reaktion parat hatte, folgende Bilanz ab: „Gute Abwehr, überragender Torwart und eine Rückraumreihe, die fast durchspielt und von Anfang an sehr viele, sehr gute Lösungen findet. Die Jungs haben die ganze Woche daran geglaubt, wirklich hart gearbeitet, den Ausfall von Sven weggesteckt und die Nerven behalten. Großer Respekt vor dieser Teamleistung.“ Und Tom Paetow dankt besonders den über 50 mitgereisten Fans: „Mit einer geschlossenen Teamleistung und unseren überragenden Fans im Rücken konnten wir diesen Sieg holen. Wir können sehr stolz auf uns sein und wollen dieses Gefühl und die Energie in die nächsten Wochen mitnehmen.“
Auf der Platte war dieser unbändige Glaube an die eigenen Fähigkeiten von Beginn an zu spüren. Die einzige Führung der Gastgeber gab es an diesem Abend durch Roses 1:0 in der 1. Minute. Die konterten die Saarländer gleich mal mit einem 5:0-Lauf zur 1:5-Führung. Und diese Führung gaben sie nicht mehr her. Doch das wusste und glaubte zu diesem Zeitpunkt noch niemand in der bestens gefühlten Glockenspitzhalle. Zumal sich das Team von Mark Schmetz auch langsam heranarbeitete und nach 14 Minuten durch ein „Siebenmeter-Doppel“ von Papina auf 6:7 verkürzen konnte. Zu mehr reichte es aber nicht. Marcel Beckers Doppelschlag zum 7:10 sorgt in der 17.Minute wieder für etwas Abstand und die 1. Auszeit der Gastgeber. Nachdem Abwehr-Organisator Pierre Halimi vom Kreis das 11:14 (26.) erzielt hatte, dann der nächste „Aufsstellungs-Schock“ für die Saarländer. Die Unparteiischen Ernst/Sippel bestraften einen Abwehrschlag von Kunkel auf den Wurfarm von Jagieniak mit der roten Karte. Ein weiterer Leistungsträger im Gefüge, der fehlte.
Aber auch das bracht die HG ebenso wenig aus dem Konzept, wie die taktischen Maßnahmen der Adler (offene Deckung, 7. Feldspieler). Auf Linksaussen übernahm Elyas Noh die Aufgaben von Kunkel und vorne setzten Tom Paetow und natürlich „Marci“ Becker die Signale zum 13:18-Pausenpfiff.
Auch nach dem Seitenwechsel – in der Halle war es mit Ausnahme der HGS-Kolonie, denkbar leise – hielt die Dominanz der Gäste an. So war ihre Mannschaft bisher hier noch nicht gefordert worden. Und die Saarländer machten einfach dort weiter, wo sie eine Viertelstunde zuvor aufgehört hatten. Über 15:20 (34.). und 16:24 (38.) stellten sie die Anzeige auf der Ergebnistafel einfach mal auf „plus Acht“. Und diesen klaren Vorsprung hielten die Saarländer fest, auch wenn die alles versuchenden Krefelder, zeitweilig verkürzen konnten. So richtig ran kamen sie aber erst mal nicht. Beim 22:28 (50.) nahm Jörg Lützelberger eine Auszeit- auch um seinen Jungs mal das Luftholen zu ermöglichen. Die Nerven der Saarländer aber blieben stabil. Auf jeden Topf, den die Adler aufmachten, hatten Becker, Paetow, Karrenbauer und Co. den passenden Deckel. Als Krefeld nach 57 Minuten noch mal auf 29:32 herankam, machte Marcel Becker mit zwei weiteren Treffern schließlich den Deckel drauf und feierte anschließend mit den Fans einen grandiosen von keinem eigentlich erwarteten Sieg. (pw./ Fotos: Sascha Bastian)
Statistik HGS: Fiedler 20 P., davon 3x7m, Zecher 1 P, Becker 15, Paetow 8, Karrenbauer 4, Noh 3/2, Kunkel 2, Halimi 2
Statistik HSG: Rüspeler 5 P, 1x7m, Borucki 4 P, Papina 7/4, Persson 6, Michalski 6, Rosę 4, Wolfram 2, Ingenpaß 2, Wollny 1, Schneider 1
Siebenmeter: HGS 2/3, HSG 4/7
Zeitstrafen in Minuten: HGS 14 (rote Karte Kunkel 26.), HSG 4
Zuschauer: 1265

