Tom Paetow Matchwinner
nach grandioser Aufholjagd
Furioses Finale beim ersten Aufstiegsspiel – 33:32 gegen ASV Hamm
Saarlouis. Furioses Finale, überragende Stimmung in der proppenvollen Stadtgartenhalle und ein Team, das angeführt von seinem Kapitän Tom Paetow niemals aufgegeben hat: Das sind die Begleitumstände, die am Ende zum verdienten hauchdünnen 33:32 (12:17)-Auftaktsieg der HG Saarlouis in der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga führten.
Nach 35 Minuten sahen die Saarländer eigentlich schon wie der sichere Verlierer aus. Clever, abgezockt und mit reichlich Erfahrung dominierten die Gäste die Partie bis dahin, die Westfalen führten mit 21:14. Aber aufgeben ist nicht das Ding der HG Saarlouis. „Wir haben an uns geglaubt und sind weiter nach vorne gegangen, mit kühlem Kopf und heißem Herzen.“, so beschrieb hinterher ein stolzer HGS-Sportdirektor Markus Baur sein „grandioses Kollektiv“.
Das tat sich allerdings zu Beginn noch schwer mit den ASV-Profis, die übrigens schon am Freitag nach Saarlouis angereist waren. Ein Beleg dafür, wie ernst ASV-Coach Jamal Naji und sein Team die Aufgabe beim Südwest-Meister nahmen. Der begann auch ganz zuversichtlich. Kapitän Tom Paetow und Zeb Bjerneld sorgten dafür, daß die Gastgeber nach knapp 4 Minuten noch mit 3:2 vorne lagen. Dass das aber für lange Zeit die letzte Führung im Spiel sein sollte, wusste da noch niemand.
Aufbauend auf einer stabil, robusten 6:0-Deckung mit einem sehr gut aufgelegten Marcos Colodeti (10 Paraden) im Tor dahinter übernahmen die Westfalen so langsam die Kontrolle im Spiel. Das Team von Meistercoach Jörg Lützelberger musste für jeden Treffer härter arbeiten, als die Gäste, die auf die aggressiv offensiven Deckungsvarianten der Saarländer gut eingestellt waren. Und sie nutzten zwei Überzahlsituationen in den ersten 10 Minuten clever aus, gingen mit 4:7 erstmals deutlicher in Front.
Und während in der Folge Saarlouis seine ersten beiden Strafwürfe versammelte, nutzte der vorjährige Zweitliga-Absteiger seine 7m durch Fabian Heumann und zwei weitere Überzahlsituationen bis zur Minute 20 zur 6:11-Führung. Jörg Lützelberger wechselte Olle Österhall ein und der hielt Saarlouis mit zwei Treffern in Folge im Spiel. Saarlouis kam wieder ran. 9:12 hieß es nach fast 22. Minuten. Bis zum Pausenpfiff kontrollierten die Gäste die Partie allerdings weiter, gingen mit einem beruhigenden 5-Tore-Vorsprung (12:17) in die Kabine.
Daran änderte sich nach Wiederanpfiff auch nichts – außer vielleicht die Körpersprache bei den Gastgebern. Doch der ASV blieb kalt, baute seinen Vorsprung bis zur 35. Minute auf 14:21 aus. Jörg Lützelberger zog die Notbremse in Form einer Auszeit, stellte seine Jungs neu ein und zog die nächsten taktischen Varianten. Und zwei, die schon beim letzten Aufeinandertreffen beider Teams in der 2. Liga von knapp 9 Jahren schon auf der Platte standen, rückten jetzt bei den Saarländern immer mehr in den Fokus: Lars Weißgerber und Tom Paetow.
Von da an wurde um jeden Zentimeter Hallenboden gefightet. Lützelberger versuchte alle seine Register zu ziehen, stellte mit dem 7. Feldspieler und einer noch offensiveren 3-2-1-Abwehr den ASV vor neue Aufgaben. Doch noch konnten Bormann, Gautzsch und Co. dem Druck der Halle und dem des Teams um Paetow und Weißgerber stand halten (20:25, 43.).
Die Wende leitete dann ein Dreierpack der HGS ein: zwei Mal Weißgerber und Yves Kunkel sorgten für den Anschluß zum 23:25 (47.). Knapp zehn Minuten vor dem Ende war es wiederLars Weißgerber der mit seinem dritten 7m beim 27:27 erstmals wieder seit der 5. Minute ausgleichen konnte. Die Halle stand Kopf. Hamm wirkte angezählt. Der gute Michel Fiedler vernagelte den Kasten. Doch noch wehrten sich Kühn und Firnhaber. Noch waren gut 6 Minuten auf der Uhr. Das Ergebnis hieß 29:30. Als Zeb Bjerneld ausgleichen und konnte und Kapitän Tom Paetow für die erste Führung der Gastgeber seit der Anfangsphase sorgte (31:30), stand die ganze Halle, schien die Wende geschafft. Dagegen hatte nur einer was: Andreas Bornemann. Er holte mit einem Doppelschlag die Führung für seine Farben zurück und zwang Jörg Lützelberger in seine letzte Auszeit. Es wird auch auf der Platte emotional. Die Elite-Kader-Schiedsrichter Baumgart/Dinges schicken Sven Eberlein und Benedikt Kühn auf die Strafbank, nachdem sie aneinander geraten waren. Das hieß bei der HG: Olle Österhall kommt wieder auf die Platte. Noch sind 76 Sekunden auf der Uhr. Zehn davon sind gerade runtergelaufen, als der Schwede sich durchtankt und auf 32:32 stellt. Die Schlussminute läuft. Hamm versucht ein Kreis-Anspiel mit einem Bodenpass. Das was vorher schon ein paar mal funktioniert hat, geht diesmal schief. Zeb Bjerneld im Verbund mit Meti Durmishi fängt das Anspiel ab. Für den letzten Angriff bleiben noch 20 Sekunden. Tom Paetow leitet das Angriffsspiel ein und steigt schließlich in der Mitte selbst hoch und zimmert das Leder links an Budalic vorbei zum 33:32. Der, der den Auftakt-Treffer erzielt hatte, setzt auch ein dickes Ausrufezeichen, hinter eine überragende Partie.
Mit dieser Basis aus dem ersten von vier Spielen kann man am Pfingstmontag (25. Mai, 15 Uhr) mit viel Selbstbewusstsein an die nächste schwere Aufgabe in Braunschweig gehen. Übrigens: Glückwunsch nach Gelnhausen. Der Südwest-Zweite besiegte den Top-Aufstiegs-Favoriten Emsdetten überraschend mit 31:29.
Statistik HGS: Fiedler 15 Paraden, 1x7m, Paetow 9, Weißgerber 8/4, Bjerneld 4, Österhall 4, Eberlein 3, Kunkel 2, Noh 2, Kockler 1
Statistik ASV: Colodeti 10 Paraden, 1x7m, 1 Tor, Budalic 3 Paraden, Huesmann 7/2, Bornemann 6, Kühn 4, Krawczyk 3, Jacobs 3, Gabrielsson 2, Gautzsch 2, Roßmann 2, Brosch 1, Firnhaber 1
Siebenmeter: HGS 4/6, ASV 2/3
Zeitstrafen in Minuten: HGS 12, ASV 8
Zuschauer: 1500 (ausverkauft)

